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Am 13. Oktober 1973 um 16 Uhr schrillt eine Pfeife durch das weite Rund und 70.400 Zuschauer auf
den Tribünen klatschen begeistert in die Hände. Endlich ist es soweit: Der Schweizer Unparteiische
Rudolf Scheurer hat im neu gebauten Parkstadion das erste Länderspiel in der Geschichte der Stadt
Gelsenkirchen eröffnet. In einem Freundschaftsspiel misst sich die deutsche Nationalmannschaft mit
den Auswahl aus Frankreich. Eine Bombendrohung sorgt kurz vor dem Anpfiff noch für Unruhe bei den
Verantwortlichen, doch stellt sich die Warnung als schlechter Scherz heraus. Das Spiel genügt den
hohen Erwartungen der Zuschauer leider nicht, obwohl die deutsche Elf mit 2:1 gewinnt. Voll des
Lobes sind die Besucher jedoch über das neue Stadion und die Organisation des Länderspiels. Gut
acht Monate vor Beginn der Weltmeisterschaften will FIFA-Präsident Sir Stanley Rous "eines der
schönsten Stadien Europas" gesehen haben und DFB-Präsident Dr. Hermann Gösmann verspricht beim
anschließenden Bankett, "noch des öfteren Spiele nach Gelsenkirchen zu vergeben".
Und die nächste Bewährungsprobe lässt nicht lange auf sich warten. Schon gut einen Monat später
reisen die Nationalmannschaften aus Schweden und Österreich ins Ruhrgebiet. Auf dem Weg zur
Weltmeisterschaft 1974 müssen die beiden Teams ein Entscheidungsspiel austragen, welches die
Skandinavier im Parkstadion glücklich mit 2:1 gewinnen.
Während der WM-Endrunde werden die Schweden anderen Spielorten zugelost. Aber auch die
Mannschaften, die sich dem Gelsenkirchener Publikum präsentieren, haben es in sich. Im ersten
Spiel überrennen die Jugoslawen die "Leoparden aus Zaire" mit 9:0. Gegen die favorisierten
Brasilianer lassen die Afrikaner dann aber nur noch drei Gegentreffer zu. In der zweiten
Finalrunde zeigen die Holländer im Parkstadion ihre Klasse, fertigen Argentinien mit 4:0 ab und
auch die DDR besiegt die Elf um Johan Cruyff mit 2:0. "Wir sehen gerade den Weltmeister", schwärmt
der damalige Schalke-Präsident Günter Siebert auf der Tribüne. Ein Irrtum, den er später sicher
verschmerzen kann, doch fasziniert der schnelle, offensive Fußball der Niederlände alle, die den
Weg ins Parkstadion gefunden haben. Mit einem gerechten 1:1 zwischen Argentinien und der
DDR-Auswahl verabschiedet sich Gelsenkirchen von den Weltmeisterschaften - bis 2006.
Bei zwei EM-Qualifikatonsspielen 1979 und 1983 erweist sich das Parkstadion als gutes Pflaster
für die deutsche Elf. Die Türkei zieht mit 2:0 den kürzeren, Österreich wird mit
3:0 nach Hause geschickt. Nur bei einem Freundschaftspiel 1987 gegen die Schweden leistet sich
Deutschland einen Durchhänger und muss sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.
14 Jahre nach der WM steht das nächste sportliche Großereignis in Deutschland an: Die
bedeutendsten europäischen Fußballnationen treffen aufeinander und auch dieses Mal wird
Gelsenkirchen Austragungsort. Bei ihrem zweiten Gruppenspiel gegen Dänemark bereiten 70.000
Zuschauer im Parkstadion der deutschen Nationalmannschaft einen großartigen Empfang. Nach einem
1:1 im Eröffnungsspiel gegen Italien, hat die Auseinandersetzung schon vorentscheidenden Charakter. Und so drängt die Elf von Teamchef Franz Beckenbauer von der ersten Minute an und ertzielt ein frühes Tor. Mit der Führung im Rücken lässt es sich leichter aufspielen und besonders der kleine Olaf Thon wird zum Größten. Er dribbelt, wuselt, spielt kluge Plässe und treibt seine Mannschaft immer wieder an. Bei seinem vorerst letzten "Heimspiel" - Thon wechselt in diesem Jahr von Schalke zu Bayern München - setzt der gebürtige Gelsenkirchener die Akzente und so ist es auch ausgerechnet der nur 1,70 Meter große Mittelfeldspieler, der per Kopf den 2:0-Endstand sicher stellt.
Auch das zweite Spiel, das während der EM 1988 in Gelsenkirchen angepfiffen wird, begeistert das
Publikum. Nach 90. Minuten hartem Kampf sinken die irischen Spieler entkräftet und entnervt auf
dem grünen Rasen des Parkstadions nieder. Mit 1:0 müssen sich die Iren den Niederlanden geschlagen
geben, die mit ihrem Anhang ausgelassen den Einzug ins Halbfinale feiern.
Das war das letzte große Turnier für das Parkstadion - der endgültige Abschied zieht sich aber
noch zehn Jahre hin. In einem Freundschaftsspiel im Vorfeld der WM 1990 besiegt die deutsche
Nationalmannschaft Dänemark mit 1:0, zwei Jahre später gibt es gegen die Türkei dasselbe Ergebnis.
Mit dem Schlusspfiff scheint die "interationale Karriere" des Stadions abgelaufen, gilt es doch
kaum noch als länderspieltauglich. Doch der sportliche Höhenflug des FC Schalke 04, gekrönt mit
dem Gewinn des Uefa-Cups 1997, verändert auch das Gesicht des Parkstadions noch einmal: Neue
Sitzplatzbereiche in den Kurven, ein verbessertes Sicherheitssystem und plötzlich die Chance auf
ein "Abschiedsspiel". Noch einmal kommt die holländische Elf zu einem Ländervergleich nach
Gelsenkirchen und trennt sich von der deutschen Mannschaft mit einem 1:1-Unentschieden.
Seit 2001 steht auf dem Schalker Feld die neue Arena - eine der modernsten
Spielstätten Europas. Keine Frage, dass auch der Name "Gelsenkirchen" verlesen wird, als der
DFB in Frankfurt die Austragungsorte für die WM 2006 benennt. Die internationale Feuertaufe hat
die Arena schon bestanden, auch wenn die Ergebnisse für die deutsche Nationalmannschaft noch nicht
begeistern konnten. Bei der kommenden Weltmeisterschaft können sich alle Mannschaften freuen, die
in der wunderschönen Arena auflaufen dürfen.
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