|
Serben und Argentinier verwandeln Bahnhofstraße in große Fan-Meile
Was macht eigentlich Diego Maradona in der Gelsenkirchener Bahnhofstraße? Jedenfalls ließ er sich dort in seinem Trikot (natürlich mit der legendären Nummer Zehn), seinen unverkennbaren schwarzen Locken und einem goldenen Fußball mit Passanten ablichten. Beim genaueren Hinsehen kam die Wahrheit ans Licht: Es handelte sich zwar um ein Maradona-Double, das aber bei den Fans fast so beliebt war, wie der "echte" Star.
Ein rot-blau-weißes Fahnenmeer, gespickt mit dezenten hellblauen und weißen Farbtupfern, machte sich schon früh am Morgen rund um die Altstadtkirche in der Gelsenkirchener City breit. "Srbija, Srbija"-Rufe schallten durch die Stadt, welche die argentinischen Gauchos nur allzu gerne mit ihren Schlachtrufen erwiderten.
"Es ist jetzt schon eine super Stimmung hier", freute sich Dobric, der mit seinen drei Freunden Males, Rakita und Durdevic. Der 23-jährige Serbe reiste zwei Tage vor der Weltmeisterschaft aus Futog, in der Nähe der serbischen Stadt Novi Sad, an. Unterschlupf hat er bei seinen Bekannten in Stuttgart gefunden. "Wir haben für die Vorrunde alle Eintrittskarten für unsere Mannschaft", sagte Dobric stolz. Die vier Freunde hatten sich für das Spiel in Gelsenkirchen etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Bunte Indianerfedern und farbenfrohe Schminke zierten ihre Häupter und zogen die Blicke auf sich. "Vor allem die Stimmung in Gelsenkirchen ist faszinierend. Eine klasse Stadt und ein wunderbar organisiertes Fest", waren sich die fröhlichen Vier einig.
Auch auf argentinischer Seite machte sich eine ausgelassene Stimmung breit: Zusammen mit serbischen Fans sangen, tranken und feierten die Hellblau-Weißen, schwenkten ihre Fahnen und kauften sich in der City noch letzte Fanartikel, die das Outfit komplett machten. Carlos aus Argentinien, der mit seiner Freundin Sandrine den weiten Weg nach Gelsenkirchen unternommen hatte, konnte sich vor Freude kaum bremsen: "Die Menschen sind hier so nett, wir kommen gern noch einmal wieder, auch wenn die WM vorbei ist."
Fußball verbindet eben. Auch, wenn die Serben eine 6:0-Niederlage hinnehmen musste, feiermüde wurden die Fans erst in den frühen Morgenstunden. Und der Sieg der Argentinier wird das Diego-Maradona-Double ein noch dickeres Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.
|