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"Wir helfen den Leuten über den Tellerrand zu schauen"
Auf der Glückaufkampfbahn, im Hauptbahnhof, in der City und in Buer: Seit drei Wochen sind rund 160 freiwillige Helfer, die so genannten Volunteers zur Fussball-WM für Gelsenkirchen im Einsatz. Mit ihren quietschroten Jacken sind sie kaum zu übersehen und immer zur Stelle, wenn irgendwo "Not am Fan" ist. Ira-Susanne Frank und Daniela Beck sind zwei von ihnen und von Anfang an dabei.
Die 44-jährige Bilanzbuchhalterin und die 27-jährige Bürokauffrau sind begeistert von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und können sich "ein Leben nach der WM" kaum vorstellen. "Es ist so als ob man eine Tür in eine andere Welt aufgemacht hätte", schwärmt Ira-Susanne Frank, Mutter von zwei Kindern. "Ich bin froh, dass auch meine Jungs die WM miterleben können und lernen auf andere Menschen zuzugehen."
Auf andere Menschen zugehen - das ist ihr Job. Sie zeigen ausländischen Fans ihr Gelsenkirchen - mit Herz und Humor. Die Fans sind begeistert und manchmal auch überrascht über die Herzlichkeit der freiwilligen Helfer, erzählen die beiden Frauen. "Du bist deutsch? Du kannst ja Lachen!", haben sie des Öfteren gehört. Mit Vorurteilen aufzuräumen und gute Gastgeber während der Fußballweltmeisterschaft zu sein, haben sie sich vorgenommen. Die beiden sprechen vier Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch und gebrauchen können sie die bei ihren Einsätzen allemal. "Die Fans haben oft eine ganz andere Erwartungshaltung, wenn sie herkommen. Umso dankbarer sind sie, wenn wir ihre Sprache sprechen und nicht distanziert sind", berichtet Daniela, die im "normalen Leben" in einer Sprachenschule arbeitet.
Großen Spaß hatten die beiden Frauen eigentlich mit allen Fans, aber vor allem die Südamerikaner werden ihnen als fröhliche Gäste in Erinnerung bleiben. Einzelne skurrile Geschichten bleiben bei ihren Begegnungen nicht aus: Zum Beispiel ecuadorianische Fans, die so begeistert sind von den Straßenbahnen, dass sie den ganzen Tag zwischen Buer und City hin- und herfahren. Oder, die Geschichte eines Mexikaners, der auf der verzweifelten Suche nach seinem Auto samt Stadiontickets, keinen blassen Schimmer hatte, in welchem Parkhaus er es abgestellt hatte.
Ihr Einsatz für die Fans in der Stadt hinterlässt seine Spuren auch in ihrem persönlichen Leben. Animiert durch die ganzen reisefreudigen, von Übersee kommenden Gäste nimmt Ira-Susanne mit ihrer Familie jetzt selbst die erste große Reise nach Australien in Angriff. Auch Daniela fühlt sich darin bestätigt, dass es sich lohnt, in andere Länder zu reisen: "Immerhin bin ich von einem Fan schon nach Barcelona eingeladen worden." Verständigungsschwierigkeiten werden die Frauen wohl kaum haben und wer weiß, vielleicht treffen sie dann das eine oder andere Gesicht aus Gelsenkirchen wieder.
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