FIFA - Fussballweltmeisterschaft Deutschland 2006™     WM-Stadt Gelsenkirchen/WM-Stadion

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01.07.2006
Ricardo wird auf Schalke zum Elfmeter-Held

In einem dramatischen Elfmeterschießen hat sich Portugal für das Halbfinale der Weltmeisterschaft qualifiziert. Cristiano Ronaldo verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum 3:1. Nach der regulären Spielzeit, in der Wayne Rooney die rote Karte gesehen hatte (62.) und Verlängerung hatte es zwischen Portugal und England auf Schalke 0:0 gestanden. Matchwinner war Keeper Ricardo, der drei Elfmeter parieren konnte.

Es war der Höhepunkt einer spannenden aber nicht sehr hochklassigen Partie im FIFA-WM-Stadion Gelsenkirchen. Weil in 120 Minuten kein Treffer gefallen war, ging es ins Elfmeterschießen. Und erneut zogen die Engländer in diesem nervenaufreibenden Duell den Kürzeren. Weder Frank Lampard noch Steven Gerrard oder Jamie Carragher war in der Lage, den portugiesischen zu überwinden. Ricardo avancierte wie vor zwei Jahren zum Elfmeter-Held. Auch bei der Europameisterschaft 2004 waren die Engländer im Viertelfinale an Portugal und Ricardos Reflexen gescheitert.

Einzig Bayern-Profi Owen Hargreaves, der später auch zum Spieler des Spiels gewählt wurde, gelang es, Ricardo zu überwinden. Für Portugal hatten vom Punkt neben Ronaldo auch Simao und Helder Postiga getroffen. Kein Glück hatten Hugo Viana (Pfosten) und Petit, der vorbeischoss.

Auch wenn die Engländer am Ende als Verlierer den Platz verließen, ihre Fans dürfen sich jedoch trotzdem als Sieger fühlen. Die 30.000 Anhänger von der Insel verwandelten die Schalker Arena ins Wembley-Stadion. Schon vor dem Anpfiff sorgten sie für den ersten Gänsehaut-Moment. Bei der englischen Nationalhymne ließen sie die Arena beben.

Kaum war die Partie angepfiffen, ertönte das legendäre "Rule Britannia". Und diese Leidenschaft übertrug sich von den Rängen auf den Platz. Die Engländer begannen schwungvoll. Sie hatten die erste Chance durch Wayne Rooney mit einem Fernschuss (9.), hatten jedoch auch Glück, dass Portugals Tiago nicht schnell genug schaltete und aus kurzer Distanz den Ball nicht im Tor unterbringen konnte (13.).

Was englische "Supporters" von ihrer Mannschaft sehen wollen, wurde in der 22. Minute klar. Steven Gerrard verfolgte Cristiano Ronaldo 30 Meter über den Platz und spitzelte dem Portugiesen den Ball vom Fuß. Das Publikum war tobte.

Während überall in der Arena die rot-weißen Farben der Britten dominierten, waren die Portugiesen in der Ecke zwischen Gegengerade und Südkurve untergebracht. Sie waren nicht nur zahlenmäßig unterlegen, zudem bekamen sie ganz wenig Möglichkeiten, ihre Mannschaft hörbar anzufeuern. Entweder sangen die Anhänger der "Three Lions" oder sie feuerten das Team von Coach Sven-Göran Eriksson an.

Das war jedoch auch bitter nötig. Denn die Engländer fanden lange kein Durchkommen gegen die dicht stehenden Portugiesen. Coach Luiz Felipe Scolari hatte seine Jungs gut eingestellt auf die Engländer. So ergaben sich eine Reihe von Möglichkeiten. Die beste vergab Luis Figo, dessen Schlenzer von der linken Strafraumgrenze knapp am langen Pfosten vorbeiging.

Die Engländer setzten auf Standards. In der 45. Minute war es dann so weit. Freistoss für die Briten. 22 Meter, halblinke Position: ein Fall für David Beckham. Der Kapitän lief an, ein Blitzlichtgewitter, doch der Ball blieb in der Mauer der Portugiesen hängen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte ertönte zum zweiten Mal die Nationalhymne. Angestimmt vom harten Kern der Anhänger zwischen Nordkurve und Haupttribüne wurde die Arena zum Wembley-Stadion. Das "God save the Queen" ging fast fließend über in "Stand up for the England".

Unterbrochen wurde der Gesang in der 51. Minute. David Beckham kam im Strafraum zum Schuss, sein Ball sprang an die Hand von Petit. Schiedsrichter Horacio Elizondo sah jedoch keine Absicht und entschied auf Weiterspielen. Anschließend hatte Joe Cole eine gute Möglichkeit, doch sein Schuss aus elf Metern ging über das Tor (58.).

Vier Minuten später kochte die englische Fan-Seele. Bei einem Versuch sich zu befreien traf Wayne Rooney seinen Gegenspieler Ricardo Carvalho. Schiri Elizondo stand genau daneben und zeigte Englands Angreifer die rote Karte.

Als Schuldigen an der ganzen Entwicklung hatten die englischen Fans Luis Figo und Cristiano Ronaldo auserkoren, die ab Mitte der zweiten Halbzeit mit Pfiffen bei jedem Ballbesitz leben mussten. Unterbrochen wurden die nur vom zweiten Absingen der Nationalhymne nach 66 Minuten.

Obwohl in Unterzahl hatte das Team um den neuen Kapitän Gary Neville, David Beckham hatte in der 52. Minute verletzungsbedingt das Feld verlassen, noch eine gute Möglichkeit. Nach einem 28-m-Freistoß-Knaller konnte Portugals Ricardo den Ball nicht festhalten, den Nachschuss von Aaron Lennon indes begrub der Keeper unter sich (83.). Die zweite Hälfte begann so, wie sie begonnen hatte. Die englischen Fans stimmten zum dritten Mal die englische Nationalhymne an.

Nummer vier ertönte beim Anstoß der Verlängerung, Nummer fünf vor dem Beginn der zweiten Hälfte. Richtig spannend wurde es allerdings erst in den letzten 15 Minuten. Erst verweigerte der Schiedsrichter nach einem Foul an Lennon einen Elfmeter für die Engländer (107.), 60 Sekunden später lag der Ball im Tor von Schlussmann Paul Robinson. Helder Postiga war mit dem Kopf zur Stelle gewesen. Doch Horacio Elizondo und sein Assistent hatten eine Abseitsstellung erkannt und pfiffen ab.

Somit ging es ins Elfmeterschießen. Dort setzte zwar dreimal eine Jubelexplosion ein - bei Hargreaves Tor sowie den Fehlschüssen von Hugo Viana und Petit -, am Ende aber feierten nur die Portugiesen. Sie zogen zum zweiten Mal in ihrer WM-Geschichte in ein Halbfinale ein.


England - Portugal 0:0 n.V., 1:3 i.E. =

England: Robinson/Tottenham Hotspur (26/26) - Neville/Manchester United (31/81), Ferdinand/Manchester United (27/52), Terry/Chelsea London (25/29), Ashley Cole/Arsenal London (25/51) - Hargreaves/Bayern München (25/33) - Beckham/Real Madrid (31/94) ab der 52. Lennon/Tottenham Hotspur (19/4) ab der 118. Carragher/FC Liverpool (28/29), Gerrard/FC Liverpool (26/47), Lampard/Chelsea London (28/46), Joe Cole/Chelsea London (24/37) ab der 65. Crouch/FC Liverpool (25/11) - Rooney/Manchester United (20/33). Trainer: Eriksson
Portugal: Ricardo/Sporting Lissabon (30 Jahre/54 Länderspiele) - Miguel/FC Valencia (26/33), Meira/VfB Stuttgart (28/35), Carvalho/Chelsea London (28/29), Nuno Valente/FC Everton (31/27) - Petit/Benfica Lissabon (29/41), Maniche/Chelsea London (28/36) - Tiago/Olympique Lyon (25/27) ab der 74. HugoViana/FC Valencia (23/23) - Figo/Inter Mailand (33/125) ab der 86. Helder Postiga/AS St. Etienne (23/26) - Pauleta/Paris St. Germain (33/86) ab 63. Simao/Benfica Lissabon (26/48), Cristiano Ronaldo/Manchester United (21/36). Trainer: Scolari
Schiedsrichter: Horacio Elizondo (Argentinien)
Elfmeterschießen: 0:1 Simao, Ricardo hält gegen Lampard, Hugo Viana schießt an den Pfosten, 1:1 Hargreaves, Petit verschießt, Ricardo hält gegen Gerrard, 1:2 Helder Postiga, Ricardo hält gegen Carragher, 1:3 Cristiano Ronaldo
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)
Rote Karten: Rooney (62. Tätlichkeit)
Gelbe Karten: Terry (2), Hargreaves - Petit (2), Carvalho
Torschüsse: 4:9
Ecken: 6:4
Fouls: 21:10
Ballbesitz: 43%:57%

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